Salutogenese und Resilienz

Die elastische Seele – Resilienz und Salutogenese

Wie kommt es, dass manche Menschen besser mit Stress, mit Gegenspielern und mit Belastungen zurechtkommen als andere? Wie kommt es, dass manche Menschen, die etwas Schlimmes erlebt haben, sich wieder erholen, andere mit gleichen Erlebnissen aber nicht?

Die seelische Kraft von Menschen ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Eine hohe psychische Widerstandsfähigkeit nennt man in der Psychologie Resilienz.

Resilienz macht stark und gesund

Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen. Resiliente Menschen haben ein deutlich geringeres Risiko, nach einem schrecklichen Erlebnis an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken. Auch mehr oder weniger alltägliche seelische Verletzungen, Stresssituationen und Belastungsspitzen können sie besser, schneller und folgenloser bewältigen. Sie sind auch weniger anfällig für Depressionen. Resilienz stärkt also die Gesundheit. Deshalb steht sie in enger Verbindung zur Salutogenese (der Entstehung von Gesundheit).

Salutogenese und Resilienz gelten in den zukunftsweisenden medizinischen Ansätzen als stärkste und wirksamste Vorbeugung gegen seelische und auch körperliche Krankheiten.
Die Fähigkeit zur Resilienz ist uns aber nur zu einem geringen Teil als genetisch vermitteltes Talent in die Wiege gelegt. Wir müssen sie erlernen und unser Leben lang dafür sorgen, dass sie erhalten bleibt.

Wie resilient bin ich?

Man kann keine Maßeinheiten für Resilienz festlegen. Sie setzt sich aus vielen einzelnen Puzzleteilchen zusammen, die bei jedem Menschen individuell stärker und schwächer ausfallen können. Wenn Du einschätzen willst, wie es um Deine Resilienz beschaffen ist, dann stelle Dir die folgenden Fragen:

  • Wie hoch ist mein familiärer Rückhalt? Wurde und werde ich von meiner Herkunftsfamilie und/oder meiner selbst gegründeten Familie unterstützt? Bekomme ich dort Rat und Hilfe, wenn ich Probleme und Sorgen habe, oder mich auch mal falsch verhalten habe? Kann ich mich auf meine Familie verlassen?
  • Empfinde ich eine positive Verwurzelung in meiner Kultur? Habe ich eine innere Verbindung zu meinen Vorfahren? Identifiziere ich mich mit der Gesellschaft, in der ich lebe und kann sie bejahen? Bereichern kulturelle Rituale und Werte mein Leben? Geben sie mir Kraft?
  • Bin ich in der Lage, meine zwischenmenschlichen Beziehungen aktiv zu gestalten? Kann ich erwünschte Freundschaften aufbauen und pflegen und von unerwünschten Beziehungen Abstand nehmen? Kann ich zwischenmenschliche Probleme lösen und Einigungen erzielen?
  • Suche und finde ich Rückhalt und Bestätigung in Gruppen von Gleichgesinnten? Habe ich mir eine Zugehörigkeit zu Gruppen geschaffen, die meine Werte teilen? Bin ich Teil eines Netzwerks, auf das ich zugehen kann, wenn ich es brauche? Kann ich mir dort nötigenfalls Unterstützung holen?
  • Habe ich ein sinnstiftendes inneres Lebensmodell? Das kann eine Religion, eine Weltanschauung oder eine Philosophie sein. Gibt mir dieses Lebensmodell Orientierung und das Gefühl, dass alles einen Sinn hat und ich in diesem Großen und Ganzen eine Rolle spiele, die diesen Sinn miterfüllt?
  • Fühle ich eine Selbstwirksamkeit? Das bedeutet, dass ich mit guten Ergebnissen meine eigenen Bedürfnisse verfolge und meine eigenen Wege gehe. Habe ich das Gefühl, auf mein Schicksal auf relevante Weise Einfluss nehmen zu können?
  • Habe ich Kontrolle über meine eigenen Emotionen und Handlungen? Kann ich selbst darauf einwirken, dass ich mich besser fühle? Kann ich weitgehend selbst entscheiden, was ich tun will und was ich nicht tun will? Oder bestimmen äußerliche Einflüsse zum größten Teil mein Fühlen und Handeln?
  • Besitze ich eine innere Toleranz gegenüber den Dingen im Leben, auf die ich keinen Einfluss habe? Stehe ich dem natürlicherweise Ungewissen des Schicksals gefasst gegenüber?
  • Gehe ich mit Krisen und Problemen, egal welcher Art, aktiv und kreativ um? Suche und finde ich Lösungen? Empfinde ich Krisen auch als Aufgaben und Herausforderungen, die ich bestehen kann?
  • Bin ich in der Lage, Unveränderbares zu akzeptieren? Kann ich nötigenfalls etwas, was sich überlebt hat, oder eben auch einfach vorbei ist, loslassen? Bin ich in der Lage, bei Verlusten zu trauern und dadurch meine Wunden heilen zu lassen?
  • Habe ich eine grundlegend hoffnungsvolle Einstellung zum Leben und zu den Geschicken der Welt? Bin ich eher optimistisch und versuche auch unter widrigsten Umständen, das Positive und Lösungen zu finden?
  • Handle ich eigenverantwortlich? Kenne ich meine Leistungsgrenzen und halte sie weitgehend ein? Sorge ich gut für mich? Halte ich Schäden an meiner Gesundheit von mir fern? Weiß ich, wie viel ich mir an Schädlichem zumuten kann und wie ich dafür wieder aktiv einen Ausgleich schaffen kann?
  • Bin ich grundsätzlich zukunftsorientiert? Kenne ich meine Wünsche und Ziele und habe ich das Gefühl, dass ich darauf hinarbeite? Habe ich einen Zukunftsplan und erreiche ich Teilziele? Sehe ich, dass ich schon viel von meinem Weg erfolgreich gegangen bin? Bin ich zuversichtlich, dass ich meinen Weg weiter gehen kann?

Du wirst beim Lesen dieser Resilienzmerkmale schon einen aufschlussreichen Eindruck davon bekommen haben, an welchen Punkten Du gut aufgestellt bist und an welchen Du noch viel tun kannst, um resilienter zu werden.

Verordnete Resilienz?

Resilienz ist aktuell in der Psychotherapie und im Coaching sehr hip. Kein Wunder, denn ca. ein Drittel aller Europäer leidet an stressbedingten psychischen und körperlichen Erkrankungen. Resiliente Menschen erkranken dabei wesentlich seltener, obwohl sie gleichstarken Stressoren ausgesetzt sind.

Resilienz scheint ein Wundermittel zu sein und Resilienz ist erlernbar. Auf einmal schießen überall Resilienztrainer aus dem Boden. Firmen schicken ihre Manager und Mitarbeiter in Resilienz-Seminare, damit sie noch leistungsfähiger werden, seltener krank sind und weniger personelle Konflikte entstehen.

Aber funktioniert das?

Nein, es funktioniert nicht. Denn mindestens drei Dinge werden dabei übersehen:

  1. Zwar kann man Resilienz erlernen, aber dies erfordert eine Erforschung des Selbst, der eigenen Strategien und Erfahrungen und im Anschluss daran auch ein längerfristiges Ausprobieren und Üben von neuen Verhaltensweisen. Resilienter zu werden, ist also ein Prozess der Zeit benötigt, ja im Prinzip sogar lebenslang abläuft. Da reichen kein Wochenendseminar und kein betrieblich verordneter Resilienz-Coach. Auch bei Burnout oder Depressionen ist ein Kurs in Resilienz allein keine Heilmethode.
  2. Das Wissen um die Möglichkeit, seine Resilienz zu erhöhen, kann gleichzeitig unter Druck setzen. Denn wer trotz Kenntnis des Resilienztrainings immer noch schwach ist, krank ist oder Dinge in seinem Leben nicht zügig bewältigt, kann als Verweigerer dargestellt werden. Der Mitarbeiter mit der Stresserkrankung wäre dann quasi selbst schuld, weil er nicht genügend Resilienztraining absolviert hat.
  3. Ganz wichtig: Stress wird durch die Möglichkeit des Resilienztrainings nicht besser! Dem Bestreben, Stress zu reduzieren muss mindestens genau so viel Aufmerksamkeit zukommen, wie der Verbesserung der Resilienz. Alles andere hätte dann nämlich schon nichts mehr mit Resilienz zu tun und wäre eine schädliche Strategie. Man kann Mitarbeiter oder sich selbst nicht durch höhere Resilienz noch mehr ausbeuten.

Resilienz ist nicht statisch

Resilienz darf nicht wie eine Rüstung betrachtet werden, an der Stress abprallt (auch wenn das Wort Resilienz vom lateinischen resilire – Abprallen stammt). Resilienz ist eine Form der Aktivität. Resilienz bedeutet, kreativ mit Situationen und Herausforderungen umzugehen und das erfordert ein gewisses Maß an Energie, die durch Erholungsphasen erneuert werden muss.

Resilienz ist auch nicht etwas, was einmal da ist und dann immer in gleichem Maße vorhanden bleibt. Resilienz ist nahezu organisch – sie steigt und fällt, sie lernt, sie probiert aus, sie macht Fehler und wagt sich an Neues.

Resilienz bedeutet auch Empfindsamkeit

Resilient ist nicht derjenige, der nicht verletzbar ist, sondern derjenige, der Verletzungen wahrnimmt und mit dieser Situation innerlich und nach außen hin einfühlsam und wirksam umgeht. Resiliente Menschen sehen in einer bedrohlichen oder scheinbar aussichtslosen Situation immer den Keim des Neuen und Guten. Das gibt ihnen Kraft und Motivation. Resilient zu sein bedeutet, den Tatsachen realistisch ins Auge zu blicken, sich nichts vorzumachen und trotzdem einen von mehreren guten Wegen aus der Situation hinaus zu wählen.

Resilienz ist also kein Geschenk oder Schicksal, das die einen haben und die anderen nicht. Aber Resilienz ist auch keine Allzweckwaffe gegenüber zu viel Stress und zu viel Druck.

Wie kann man resilienter werden?

Am besten, indem man sich selbst und seine gewohnten Verhaltensweisen mit Ruhe und Neugier erforscht, damit spielt, neues ausprobiert und dabei immer wieder nachprüft: Wie geht es mir dabei?

Mit meinem Buch „Salutogenese – Selbstheilung macht glücklich“ kann man sich Schritt für Schritt und mit viel Freude sehr interessanten Aufgaben zur Entdeckung des Selbst und der eigenen Resilienz widmen.

 

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In Claudia Grothus' Buch "Salutogenese - Selbstheilung macht glücklich" finden Sie eine spannende und leicht lesbare Heranführung an das Konzept Salutogenese. Zahlreiche Übungen und "Challenges" helfen Ihnen, auf interessante und spielerische Weise Ihre persönliche Gesundheit zu stärken.

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